Kauf Fendt Geräteträger

  • Hallo, ich bin neu hier in diesem Forum und möchte mich kurz vorstellen,

    Mein Name ist Charly, 59 Jahre alt, demnächst in Altersteilzeit und als Hobby Schraube ich ganz gerne. Habe mit Traktoren absolut keine Erfahrung, mit Autos kann ich ganz

    gut umgehen.

    Für meine Vorruhestand habe ich mir einen Fendt Fix16 zum restaurieren gekauft, hab aber jetzt auch noch ein Angebot für einen Fendt Geräteträger.

    Daten vom Fahrzeug habe ich nicht, ich denke so Bj. 65-70. Laut Verkäufer ist ein Zylinder (von dreien) defekt und die Hydraulik funktioniert nicht.

    Was meinen die Profis, lohnt sich ein Kauf, wie hoch schätzt ihr ganz grob die Kosten für die Reparatur.

    Wäre super wenn ich von euch eine kurze Rückmeldung bekommen könnte.


    viele Grüße, Charly

  • Hallo Charly,


    erst einmal ein herzliches Willkommen hier im Fendt- Forum und vielen Dank für deine Vorstellung.


    Zu einer wirklichen Kaufentscheidung kann ich nicht wirklich beitragen. Deine Kaufentscheidung hängt von vielen Einflußfaktoren ab. Die wichtigste Frage ist, willst du was zum Basteln oder zum Arbeiten.


    Der Fix ist ein klasse Kleinschlepper, der sehr robust und einfach von der Technik ist. Wenn du die Möglichkeit hast einen GT zu kaufen, dann rechnet sich die Investition, wenn du eine universell einsetzbare Arbeitsmaschine suchst. Wenn es sich um einen 3- Zylinder handelt kann es nur ein 230 oder ein 231 GT sein.

    Einen 231 GT kannst du dir kaufen. Die werden aber sehr teuer- auch im schlechten Zustand- gehandelt. Im Prinzip ein optimaler Schlepper für alle Arbeiten, die zu Hause anfallen. Je nachdem was dem Motor fehlt kann eine Reparatur schnell teuer werden. Ersatzteile gibts alle noch, solange ich sich die Reparatur auf Verschleißteile bezieht (Kolben, Laufbuchsen, Ventile, Dichtungen, etc.) Wenn der Motorblock einen Riss haben sollte kannst du den Kauf vergessen, da du nach einem Schlachtschlepper wahrscheinlich vergeblich suchst oder ein gebrauchter Motor sehr teuer wird.


    Ein 230 GT ist auch ein guter Schlepper, hat aber Krankheiten, die beim 231 eliminiert wurden:

    Zapfwelle mit Kettenantrieb, Motor mit Wirbelkammer, der mit zunehmenden Alter oft Probleme bei kälteren Temperaturen machen kann.


    Wenn du am Auto schrauben kannst, hast du beste Voraussetzungen am Traktor zu schrauben. Allerdings brauchst du einen größeren Werkzeugkasten und eine vernünftige Werkstatt, da die Schrauben doch etwas größer und die Teile auch schwerer sind. Der Vorteil ist, dass die Technik aus den 60er bis 80er Jahen keine Elektronik sonder nur Elektrik aufweist. Die Mechanik kann man immer irgendwie reparieren, wenn man das entsprechende Werkzeug und die Maschinen hat, oder man kennt jemanden.


    Hier im Forum gibts fast nichts wo nicht irgend jemand einen Rat geben kann. Eine Lösung gibts (fast) immer.


    Vielleicht konnte ich dir ein weinig helfen und du entscheidest dich für den richtigen Schlepper.

    Liebe Grüße aus der Oberpfalz


    Claus


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    F17L, F28, F275 GT, Farmer 270 VA

  • Hallo Claus, vielen Dank für die ausführlichen Infos. Der Fendt wird vermutlich auch zum Arbeiten eingesetzt , ich heize mit Holz und habe einen kleinen Wald. Ich mach mich jetzt mal schlau um welches Modell es sich genau handelt und was alles defekt ist.


    Viele Grüße, Charly

  • Hallo , hab jetzt die Info vom Traktor. Ist ein 231 GT Baujahr 1968, ist aktuell fahrbereit, läuft allerdings nur auf zwei Zylindern und das Getriebe

    zur Zapfwelle ist anscheinend defekt, Kann man sowas noch mit vertretbarem Aufwand reparieren oder sollte man besser die Finger davon

    lassen?


    Grüße Charly

  • Hallo Charly,


    Gt 231 ist schon mal gut. Die Laufbuchsen und Kolben kann man bei einem Motorenbauer bestellen, die Einspritzdüsen kann man überholen und nur den Düseneinsatz wechseln. Die Kurbelwelle kann man auch überschleifen, wenn die Pleuelzapfen eingelaufen sind.

    Allerdings ist der Spaß nicht ganz billig, es sei den du kannst schrauben.


    Das Problem ist, dass man keine vernünftigen Aussagen zu den Kosten machen kann. Das geht von wenigen 100 Euro bis zur Komplettüberholung bis 2500 Euro und mehr. Leider gehts nicht genauer, das weiß man erst was der Spaß kostet, wenn du die Fehlerursache kennst.


    Die Zapfwelle ist normalerweise kein Problem. In der Regel ist das ein Problem von einem Lager oder die Zapfwellenkupplung. So genau kenne ich den 231 nicht, deshalb kann ich nicht sagen, ob es eine Klaue gibt, mit der man den Zapfwellendurchtrieb ein oder auskuppeln kann. Es könnte auch die Klaue sein, bei der die Kupplungsgabel verbogen ist.


    Ich würde mir die Tätigkeiten zutrauen. Leider kann ich nicht sagen, wie deine Werkstattausstattung aussieht. Wenn du den GT für einen vernünftigen Preis (ca. 5500 bis 6500 Euro) bekommst, dann schlag zu. Den Rest solltest du dir auch ansehen: wie sehen die Gelenke der Spurstangen aus, Drehgelenk, Radlager.

    Wenn hier was ausgeschlagen ist, ist das nicht tragisch, aber trotzdem Aufwand und auch Kosten. Allerdings nicht vergleichbar mit einer Motorüberholung.


    Wenn jemand bessere Ratschläge hat, jederzeit gerne.

    Liebe Grüße aus der Oberpfalz


    Claus


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    F17L, F28, F275 GT, Farmer 270 VA

  • Hallo,


    gaaaanz heisses Eisen!!! Schau Dir den Traktor penibel genau an! Da kannst Du richtig in die Sch...e greifen! Vor Du ausrückst und den Traktor anschaust, ist ein ordentlicher Wagenheber und ein paar Klötze im Kofferraum, um die Vorderachse hochbocken zu können. Hier wackelst Du dann mal an beiden Achsschenkeln. Büchsen und Drucklagerscheiben gibt es noch neu, Achssenkelbolzen auch aber das Einschweissen ist schon ein Aufwand und eine Arbeit für Profis. Das Zentraldrehgelenk ist immer undicht aber Spiel sollte es keins haben. Geprüft wird das auch mit dem Wagenheber indem man versucht ihn in der Mitte leicht zu heben und beim Ablassen das Spiel beobachtet. 40 cm weiter hinten wird es wieder interessant, denn der Drehgelenksträger, welcher auch gleichzeitig als Hydrauliköltank fungiert ist links und rechts mit jeweils 3 Muttern an Zwischenstücken befestigt. Diese Muttern müssen fest sein! Die selben Zwischenstücke sind wiederum jeweils mit 3 Inbusschrauben am Motorblock befestigt. Hier sieht man leider nicht hin aber man kann prüfen ob vom Motorblock schon etwas weggebrochen ist, ob sich irgenswo Haarrisse andeuten oder schon irgendwo ein kleiner Spalt ist. Sobald man hier auch nur irgendwo das Gefühl hat, dass es mehr wird, als Schrauben anziehen und sichern, wird es richtig teuer und Teile gibt es nur noch bedingt. Das Lenkgetriebe ist auch oft hin, sehr viel Spiel oder ein Kratzen beim Betätigen des Lenkrades sind eindeutig. Teile sind auch hier sehr rar. Der rechte Achstrichter ist ebenfalls sehr gefährdet, da der Kraftheber hier an lediglich 3 Punkten befestigt ist und bei Überlasung die hintere Hauptbefestigungslasche einfach vom Achstrichter wegbricht - dann braucht man auch diesen neu, denn Schweissen ist hier nicht! Gelegentlich kann man an dieser Stelle auch Reparaturversuche sehen, die in aller Regel nur als Arbeitsversuch gewertet werden können. Getriebe- und Motorschaden hat er schon. Und glaub mir, die von mir beschriebenen Sachen hab ich in der Kombi schon mal an einem einzgen Fahrzeug gesehen. Dann kann man den Traktor wirklich dort lassen, wo er ist!


    Gruß f18h-doc

  • Hallo Charly,

    ich habe Erfahrung mit beiden Schleppern, sowohl 231 als auch 230 GT.

    Ich kann mich f18h-doc nur anschließen. ein günstiger GT ist meistens ein ProblemGT. Schau dir das ganz genau an.

    Diese Schlepper sind Pflegeschlepper, nur wurden diese meistens gequält und missbraucht.

    Ich habe an meinem 230GT ein neues Kurbelgehäuse verbaut, weil der rechte Teilt quasi zerstört war. Kannst ja gerne mal schauen, den Beitrag wirst du hier im Forum finden.

    Es war ein riesen Glück ein Gehäuse zu bekommen, welches in diesem guten Zustand war und keine Beschädigungen aufwies.

    (Eine Reise durch die BRD inclusive ;) )

    Wir sind Schrauberlich auch nicht unbegabt, aber das war schon ne echte Hausnummer.

    Insgesamt kann ich sagen, dass nur die Revision des Motors bei mir runde 100 Stunden Zeit verschlungen hat, (incl. Trennen des Schleppers, Ersatzteilsuche Online und Offline)

    Ja den ein oder anderen Fehler haben wir auch gemacht, deswegen hat es länger gedauert.

    Wenn du den Motor zerlegst und die Kurbelwelle noch in gutem Zustand ist sind bei mir folgende Materialkosten angefallen nur für den Motor:

    Kurbelgehäuse gebraucht 650€

    Lagerschalen Kurbelwelle, Pleuellager 400€

    Dichtungssatz komplett: 350€

    Zylinder und Kolben neu: 900€

    Einspritzpumpe Überholen ist hier noch nicht bei.

    Ersatzteile für die Zapfwelle gibt es noch bei Ebay-Kleinanzeigen.

    Wie viele Stunden hat dein Schlepper weg? bei meinem waren es 5000 deswegen habe ich den Aufriss betrieben.

    Wenn du Fragen hast, kannst du dich gerne melden.

    Gruß

    Jascha

  • Hallo, danke für die Infos von euch. Ich hab mich jetzt entschlossen den Fendt ungesehen zu kaufen, wird allerdings noch ein bisschen dauern bis er bei mir zu Hause ist.

    Ich melde mich wieder wenn ich einen Überblick über die notwendigen Arbeiten habe,


    Gruß Charly